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Freiburger Zeitung v. Mai 1912

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Freiburger Zeitung 19.05.1912

Konzert des Männergesangvereins Concordia

Mit einem schönen Programm betrat Freitag abend die Concordia das Podium der dichtbesetzten Festhalle. Unter der Leitung des Musikdirektors Pfaff zeigte der Verein, daß sein stetes Streben nach guter Gesangeskunst von Erfolg gekrönt ist Der Abend wurde mit dem schön gesungenen Wanderers Nachtlied von Carl Maria von Weber eröffnet. Bei dem folgenden Morgenlied von Rietz war die Schlußstrophe von wirkungsvoller Nunacierung. Der eindrucksvolle Chor: Totenvolk von Hegar fand eine überraschend gute Wiedergabe, bei der besonders der 3. Vers und am Schlusse das schöne Piano auuffiel. Gut getroffen war der Volkston des Liedes: Ganz im Geheimen. Das Schlußlied: Tanzlied, arrangiert von Silcher, wurde flott gesungen, so daß der Verein mit Genugtuung auf seine Leistungen zurückblicken kann.
Als Gesangssolist war Herr R.Tauber gewonnen worden. Der junge Künstler verfügt über eine weiche und äußerst sympatische Tenorstimme von angenehmer Klangfarbe; wolhtuend berührte der von innen kommende Ausdruck mit dem Herr Tauber sang. Die Aussprache war, von Kleinigkeiten abgesehen, recht gut. Am besten liegt zurzeit dem Sänger die Cantilene und das rein Lyrische. Mit am Schönsten war Frühlingserwachen (Strässer) und die zweite Hälfte der Bitte (Fielitz). Das von Herrn Beines komponierte, äußerst ansprechende Lied: Dein! wurde ebenfalls mit schönem Gelingen wiedergegeben. Der Beifall veranlaßte Herrn Tauber zu einer Zugabe (Winterstürme wichen dem Wonnemond), in der die lyrischen Stellen mit großer Weichheit gesungen wurden. Bei weiteren, ernten Tonstudien wird der Sänger sehr Tüchtiges leisten, denn die Anlagen dazu sind vorhanden. Herr Beines begleitete in gewohnter Weise die Lieder am Flügel.
Die Darbietungen von Frau e. Plaskuda (Violine) zeigten einen schönen Strich, saubere Technik und gute Auffassung. Der Ton sporicht, obwohl er zwar zart ist, recht an. Eine ebenbürtige Partnerin war Frl. F. Schmitt (Klavier), die mit großem Verständnis dazu beitrug, die Bachsche und Regersche Komposition mit Erfolg zu Gehör zu bringen. Der Genuß wäre ein wesentlich größerer gewesen, wenn die Wahl der zwei Stücke mehr dem übrigen Programm angeßpaßt worden wäre.

Freiburger Zeitung 24.05.1912

Konzert

Es erweckt stets ein erhötes Interesse, wenn junge Kunstbeflissene zum ersten Male vor die Öffentlichkeit treten, um so mehr, wenn sie uns ihrer Persönlichkeit nach bereits nahe stehen. So hatte sich denn Donnerstag ein stattlicher Zuhörerkreis im Museumssaal eingefunden, um Zeuge des künstlerischen Auftaktes zu sein, der sich an den beiden Konzertgebern, dem einheimischen Fräulein Lilly Sarrazin und Herrn Richard Tauber, über dessen erfolgreiche Mitwirkung im letzten Concordiakonzert schon berichtet wurde, in erfreulicher Weise vollzog.
Die Darbietungen beider Kunstjünger tragen den Stempel ernsten und gediegenen Studiums und streben, sofern sie noch nicht auf der Stufe der Vollendung angelangt sind, zweifelsohne höchsten Zielen entgegen.
Mit großem und vornehmen Ton spielte Fräul. Sarrazin, die Vortragsfolge eröffnend, drei Sätze der E-Moll-Suite Nr.2 von Rameau in der Zusammenstellung und Einrichtung ihres Lehrers, des Basler Konsertvatoriumsdirektors Dr. Hans Huber, und entzückte fernerhin in Chopins Prelude Des-Dur, sowie im Allegro appassionata Cis-Moll, op.70, von Saint-Saens durch die Sauberkeit vorgeschrittener Technik und die empfindungsvolle Vortragsweise, die auch der Begleitung sämtlicher Lieder, der sich die Dame unterzogen hatte, außerordentlich zu statten kam.
Herrn Taubers stimmliche und gesangliche Begabung berechtigt zu den schönsten Hoffnungen. Die vortreffliche Schulung des sympathischen, noch sehr jugendlichen Organs, gereicht ihm, wie seinem Gesangsmeister zu besonderer Ehre. Einige Aufmerksamkeit dürfte noch der Aussprache der Konsonanten, namentlich der Zischlaute, und einer weicheren Tongebung in der oberen Lage zu widmen sein. Die noch im Wachstum begriffene echte Tenorstimme ist heute schon von beachtenswertem Umfang und großer Ausgiebigkeit, der Registerausgleich ein tadelloser. Warm empfunden und geistig belebt sang Herr Tauber Lieder von Schumann, Tschaikowsky, Fielitz, und Strauss mit so allgemeiner Zustimmung, daß er sich nach den Liebesgrüßen von Beines noch zu einer Zugabe entschließen mußte.
Die stürmischen Beifallsbezeugungen, Blumen- und Kranzspenden, durch welche die Konzertgeber ausgezeichnet wurden, mögen nicht allein als Anerkennung für die heutigen Leistungen gelten, sondern auch die besten Wünsche für fernere Erfolge in sich zuzsammenfassen. Carl Kiezmann

Dank an S. Walzinger