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Otto Schneidereit schreibt an das Sächsische Tageblatt

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Otto Schneidereit, Autor des bekannten Buches über Richard Tauber, schreibt an das Sächsische Tageblatt, bezüglich eines kurz zuvor erschienen Artikels über Richard Tauber.

Abschrift

am 12. August 1967
Sehr geehrte Herren,

Ihre Dresdener Ausgabe brachte am 9. d.M. einen Aufsatz mit dem Titel “ Richard Tauber und Dresden in dem gesagt wird, “ alle “ Lexika hielten sich an das Geburtsjahr 1892. Ich erlaube mir, Sie darauf aufmerksam zu machen, daß “ alle “ nicht ganz zutrifft. Mein Operettenbuch (Henschelverlag, Auflage insgesamt eine viertel Million) verzeichnete bereits von der ersten Auflage an (1955) das richtige Geburtsjahr 189,1» jenes Datum, von dem in Ihrem Aufsatz gesagt wird, es sei in Taubers Reisepaß vermerkt gewesen.

Freilich trifft e3 zu, daß die Mehrzahl der einschlägigen Lexika 189,2 nennt; allerdings Müllers Deutsches Musiker-Lexikon von 1929 mit einem einschränkenden Fragezeichen. Ein Filmlexikon der zwanziger Jahre nennt 189o; jedoch hat Tauber in seinen autobiographischen Notizen, die in seinem Nachlaß gefunden wurden, das Jahr 1891. angegeben.

Die Verwirrung im Geburtsdatum ist nicht zu verwundern, denn um seine Geburt herrschen überhaupt einige Geheimnisse, die aufzuklären mir die Linzer Stadtverwaltung leider nicht helfen wollte. Das Tonkünstlerlexikon von Frank/Altmann (1936) nennt als seinen eigentlichen Namen Ernst Seiffert. Tauber sagt in seinen Notizen, seine Mutter habe Elisabeth Denemy geheißen, und sie habe ihn, als sie einen Herrn Seyfferth heiratete, zu seinem eigentlichen Vater gegeben. Wie die damaligen Bühnenalmanache nachweisen, hieß Taubers Mutter schon 1883, als sie zum ersten Male Taubers Vater traf ( sie waren gemeinsam in Linz angagiert ), bereits Seyfferth. Es scheint, daß ihr Mädchenname Denemy war, sie jedoch Ende der siebziger Jahre einen Schauspieler Seyfferth geheiratet hatte. Zumindest lassen die (damals leider noch recht unvollständigen) Bühnenalmanache diesen Schluß zu. Genaues kann aber wohl nur die Stadtverwaltung oder die Kirchenbehörde angeben. Daß er, wie Ihr Aufsatz besagt, anfangs Richard Denemy hieß, paßt nicht zu der Angabe der Lexika, er habe eigentlich Ernst Seiffert geheißen.

Doch sei dem, wie dem sei – es ist zu wünschen, daß sich eines Tages diese Rätsel um seine Geburt aufklären. Eine solche Aufklärung wäre nicht gar so wichtig; aber es wäre doch schön, daß das, was man von ihm weiß, auch tatsächlich stimmt.

In der Hoffnung, Ihnen mit meinem Hinweis gedient zu haben –

mit freundlichem Gruß !

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Artikel: Sächsisches Tageblatt Dresden vom 9.8.1967 / Schmiedel

Richard Tauber und Dresden

Im Mai dieses Jahres erinnerte sich die musikalische Welt an Richard Tauber, der am 16. Mai 1967 75 Jahre alt geworden wäre. Alle Lexika hielten sich bislang an dieses Datum, das aber höchstwahrscheinlich gar nicht stimmt; denn der Reispass des Sängers, von seinem Vetter Max Tauber zur Einsicht vorgelegt, vermerkt sachlich, daß Richard Tauber 1891 geboren wurde. Sollten im Reisepass falche Angaben stehen ? Wie dem auch sei, der Name Richard Tauber ist lebendig geblieben auch nach seinem Tode vor 19 Jahren. Am 8. Januar wurde Richard Tauber in London, wo er als Emigrant hingegangen war, von der Bühne des Lebens abberufen.

Richard Tauber und Dresden ist kein großes Kapital im Leben dieses Künstlers, aber er ist ein sehr wesentlicher Abschnitt; denn mit seinem Wirken an der damaligen Dresdner Hofoper begann der Tenor seine glanzvolle internationale Karriere.

Richard Tauber wurde also am 16. Mai 1891 in Linz an der Donau geboren. Die Mutter wirkte als Operettensoubrette, der Vater arbeitete als Schauspieler. Es gab für den jungen Richard Denemy (er nannte sich damals nach dem Namen der Mutter) nur ein Berufsziel: Sänger zu werden. Eine Stimmprüfung an der Wiener uper endete jedoch negativ: n Ein Zwirnsfaden, aber keine Stimme ! w lautete das niederschmetternde Urteil von Kammersänger Leopold Demuth. Ein geregeltes Musikstudium in Frankfurt/M. , Freiburg und Basel wurde begonnen, Tauber hatte die Fächer Klavier, Komposition, Dirigieren und später auch (in Wiesbaden) Gesang belegt und absolvierte sie mit Erfolg.

Im Jahre 1912 wurde Taubers Vater zum Intendanten des Stadttheaters Chemnitz berufen, und es ergab sich ganz von selbst, daß Richard Tauber am 2. März 1913 zum erstenmal als Tamino in Mozarts “ Zauberflöte w auf der Bühne stand. Der M rein zufällig H anwesende Intendant der Hofoper Dresden, Graf Seebach, war angetan und bot dem jungen Tenor einen Fünfjähresvertrag nach Dresden. Vater Tauber schmunzelte: Er hatte mit Erfolg H Schicksal gespielt “ ! In Dresden sang sich Richard Tauber schnell in die erste Reihe der namhaften Solisten, wurde bereits 1916 zum Königlich-Sächsischen Kammersänger ernannt und gestaltete neben Mozart vorwiegend die lyrischen und jugendlich-dramatischen Partien in den Opern von Puccini, Verdi und Bizet. Elisabeth Rethberg war des öfteren seine Partnerin, mit der er später viele Schallplatten besang.

Richard Tauber war in Dresden ein so begehrter und auch beim Publikum beliebter Sänger, daß im Jahre 1918 sein Vertrag auf weitere fünf Jahre verlängert werden konnte. Doch als nach umjubelten Gastspielen 1922 die Staatsoper Wien lockte, sagte Richard Tauber spontan zu. Die hohe Konventionalstrafe mußte schweren Herzens beglichen werden. Salzburgs Festspiele brachten neue Triumphe als lyrischer Mozarttenor. Und bald mußte sich Berlin mit Wien teilen; denn inzwischen hatte Richard Tauber Meister Franz LehAr kennengelernt, der für ihn eine Erfolgs-Operette nach der anderen komponierte. –

Noch einmal sollte Dresden im Leben Richard Taubers eine Rolle spielen; Im Jahre 1926 rettete er die deutsche Erstaufführung von Puccinis „Turandot“ buchstäblich in letzter Minute. Mit dem Tode Richard Taubers ist eine der schönsten lyrischen Tenorstimmen verklungen, die heute noch Bewunderung auslöst.

9.8.1967 -el