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Tauber-Tonfilm Ich glaub‘ nie mehr an eine Frau

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Von Poldi Schmidt
in: Lichtbild-Bühne, Nr. 30, 4.2.1930

Schon der erste tonliche Eindruck, dem man bei Tonfilmen immer mit Bangen entgegenhört, bringt eine angenehme Feststellung: Keinerlei Frequenzübersteigerungen, keinerlei Verzerrungen beeinträchtigen das akustische Bild. Eine wohltemperierte Dynamik läßt Geräusch, Rede und Klang in den Ablauf der Bilder fließen. Wenn diese Spielhandlung sich auf die Gesetze der lyrischen Oper stützt, so darf siees schon mit Rücksicht auf die hochentwickelten technischen Mittel tun, zu denen Richard Tauber selbst bestimmt wertvolle Anregungen aus seiner Praxis des Musikateliers gegeben haben mag. Der Komponist, Illustrator und Synchronisator Paul Dessau ist der berufene Künstler für diesen Film und seine Mitschaffenden. Schon die Szene der singenden und musizierenden Besatzung des Schiffes bringt allerlei kleine, feine Intimitäten, deren hauptsächlichster Interpret der Maat Joachim ist. Sein Ziehharmonikaspiel mit den schüchternen Fermaten, den abhorchenden Improvisationen ist ein Kabinettstück. Auch die Darstellung des musikalischen Dilettantismus in der Szene der Hafenkneipe wird auch ungeschulten Hörern Spaß machen, verfolgen sie die unmotivierten Wechsel in den Tonarten, die lebensechte Instrumentierung, die drastischen Darstellungen falscher Dynamisierung. Der Eintrittschor zwar ist allzu opernhaft gesetzt, doch geht er logisch in die volksechte Entwicklung dieser Szene über. Den Aufnahmetechnikern sind alle sprachlichen, instrumentalen und vokalen Aufnahmen auf das beste gelungen, die Regie der Sprache und der Musik dokumentiert einen Gipfelpunkt moderner Tonfilmtechnik. Der Held des Spiels und der Held des Abends, Richard Tauber; aus seinem Gesang strahlt eine Welt, in der alles stark, leicht, licht und frisch ist, eine Welt, die in ihrer Abtrennung vom Realen, in ihrem Aufgehen in das Phantom des Bildes und des photographierten Tons dieses Phantom wieder lebendig macht. Dessaus Kompositionen und illustrative Mittel treffen den Stil der Handlung, sie sind prächtige Stützen für die Kunst Richard Taubers, dessen von ihm selbst beigesteuerten Lieder textlich und musikalisch hoch über dem Zeitschlager stehen, die Romantik atmen und dennoch lebenswirklich sind. Den Radiohörern des Weltnetzes wurde als Ausklang noch das etwas abseits der logischen Motivierung der Handlung liegende »Dirnenlied« von Richard Tauber dargebracht, und diese eine Probe höchstkultivierter Gesangskunst wird sie veranlassen, nunmehr auch alle die zahlreichen Kostbarkeiten dieses deutschen Tonfilms zu hören und zu sehen.