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Hochflut der leichten Musik

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– Film-Kurier, 14.1.1931

1930 hat sich als Jahr der leichten Film-Musik erwiesen. Froh über die Errungenschaft des Tons, hat man zunächst einmal auf die sichere Auswertung der Möglichkeiten durch den Schlager Wert gelegt. Wo es irgend anging, wurde so ein Lied eingeschoben. Gute Zeit für die bewährten Komponisten vom Fach, die nunmehr den bisher herrschenden Illustratoren den Rang streitig machten. Zum ersten Male wird der Weg frei für Michael Krausz, Rudolf Nelson, Willy Rosen, Willi Kollo, Ralph Benatzky. Tauber wird in die Lage versetzt, einen Operettenerfolg, Lehárs »Land des Lächelns« zu verfilmen. Daneben stellten sich die Dirigenten der Uraufführungskinos, die bisher ihre Film-Illustration besorgten, auch auf die neue Gattung ein:
Dr. Becce übernahm die Gesamtleitung für einen Trenker-Film, Paul Dessau arbeitete für die Tauber-Produktion. Auch Schmidt-Gentner stellte sich schnell um. Er lieferte für eine ganze Reihe von Filmen musikalische Beiträge. Ihn übertraf an Filmzahl Artur Guttmann, während Schmidt-Boelcke nur für drei Filme zeichnet. Aber die Quantität muß nicht immer ein Zeichen für Qualität sein. Unter den Komponisten der Schlagermusik steht zahlenmäßig an erster Stelle Robert Stolz mit neun Filmen, darunter ein großer Wurf, wie Zwei Herzen im ¾ Takt. Besonders erfolgreich waren Werner Richard Heymann und Friedrich Hollaender. Hollaender glückte das »Von Kopf bis Fuß«. Heymann hatte gleich zwei Riesenerfolge: Liebeswalzer und, als Steigerung, Drei von der Tankstelle. Außer dem rein Schlagermäßigen hat er mit dem letzten Film den ganzen Genre dieses Operettenfilms durch die Stilisierung des Musikalischen bereichert. Ansätze, die auch in Einbrecher und Ihre Majestät die Liebe angenommen wurde. Ein Musiker, von dem für den tönenden Film noch manches zu erwarten ist, wenn er auch im vergangenen Jahr nicht viel Gelegenheit hatte, sich zu erweisen, ist Mischa Spoliansky. Als Kuriosität seien ein paar Darsteller erwähnt, die als Komponisten zeichneten: Die Ehre der schaffenden Frau verteidigte Betty Amann mit einem Schlager »O alte Burschenherrlichkeit«. Max Hansen steuerte für das Kabinett des Dr. Larifari eine Nummer bei und sein Tenor-Kollege Richard Tauber bestätigte nach Noten »Ich glaub nie mehr an eine Frau«.
Den Versuch, zu einer opernhaften Wirkung zu kommen, macht Phil Braham in dem Kiepura-Film Die singende Stadt. Den gleichen Weg ging mit einer für den Film komponierten Arie Ralph Benatzky im Unsterblichen Lump und Dessau mit dem für Tauber geschriebenen »Dirnenlied«.