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dingi – Bedeutende Österreicher

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Die Geschichte unserer Heimat
Bedeutende Österreicher III

Richard Tauber der weltberühmte Tenor

Es gibt eine Menge von Schallplatten, auf denen die Gesangskunst Richard Taubers festgehalten ist. Ihre Tonqualität ist allerdings nicht besonders gut, so daß man sich nur eine unvollkommene Vorstellung von der Klangfarbe, vom Zauber der Stimme dieses großen Sängers machen kann. Nach dem Abhören einiger dieser Platten kann man sich mit etwas Phantasie jedoch unschwer die große Wirkung vorstellen, die Richard Taubers Stimme auf das Publikum seiner Zeit ausgeübt hat.
Richard Tauber war in den zwanziger und dreißiger Jahren dieses Jahrhunderts einer der meistgefeierten Sänger der Welt. Wo immer er auftrat, im Konzertsaal, auf der Opernbühne, in einer Operettenaufführung, in Berlin, Wien, New York, Rom oder London, überall wurde er stürmisch umjubelt, überall erhielt er glänzende Kritiken. So schrieb die „Welt am Abend“ in ihrer Ausgabe vom 28. März 1925 „Deutschlands bester Tenor, Richard Tuaber, gab in der vollbesetzten Philharmonie einen Lieder-und Arienabend. Tauber besitzt eine hohe Kultur und wunderschön weiches Stimmaterial. Ganz ausgezeichnet sang er den Liederzyklus Schumanns ,Dichterliebe‘. Hervorragend traf er den Ton dieser Lyrik.“

Richard Tauber wurde am 16. Mai 1892 in Linz an der Donau geboren. Sein Vater war ein bedeutender Schauspieler, und seine Mutter war Schauspielerin. Der Knabe befand sich abwechselnd in der Obhut des Vaters oder der Mutter, lebte vorwiegend in Hotels und wurde sogar vorübergehend einer reichen Dame der Grazer Gesellschaft zur Erziehung anvertraut. Er besuchte in Prag drei Jahre lang die Grundschule und kam nach einem kurzen Aufenthalt in einem Salzburger Internat 1903 an das Reformrealgymnasium in Wiesbaden.
Mit dem Studium wollte es jedoch nicht so recht klappen, da sich bereits der Gymnasiast mit dem Gedanken trug, Sänger zu werden. Ein erstes Probesingen vor dem Kammersänger der k. u. k. Hofoper in Wien, Leopold Demuth, einem Jugendfreund des Vaters, endete mit einem Fiasko. „Um Gottes willen, halte deinen Sohn davon ab, Sänger zu werden. Was er besitzt, ist ein Zwirnsfaden, aber keine Stimme. Glaube mir, aus ihm wird niemals ein Sänger“, lautete das vernichtende Urteil.
Es sollte, wie so oft, anders kommen. Richard Tauber ließ nicht locker. Er brachte seinen Vater dazu, ihn an das Konservatorium in Frankfurt am Main zu schicken. Zur Vervollkommnung seiner musikalischen Studien übersiedelte er später von Frankfurt an die Universität Freiburg. Dort begegnete er dem Gesangspädagogen Carl Beines, der seine sängerischen Fähigkeiten zur vollen Entfaltung brachte. Es war der Wendepunkt in Richard Taubers Leben.
Bei einem Konzert des Männerchores „Concordia“ feierte der junge Tenor am 17. Mai 1912 in der Freiburger Festhalle ein erfolgreiches Debüt. Kurze Zeit später erhielt Richard Tauber einen Fünf jahresver-trag an der berühmten Dresdener Hofoper und sang sich sehr schnell in die erste Reihe des Ensembles. Der Durchbruch zu Ruhm und Erfolg war damit geglückt. In der Folgezeit begeisterte Richard Tauber in zahllosen Partien das Opernpublikum in vielen Städten. Besonders fruchtbringend wurde seine Zusammenarbeit mit Franz Lehär, dessen Melodien keinen besseren Interpreten hätten finden können.
Nach 1933 verließ Richard Tauber Deutschland und unternahm eine Reihe von Gastspielreisen in die Vereinigten Staaten und nach Australien.
Am 27. September 1947 sang Richard Tauber zum letztenmal in der Covent Garden Opera in London in einer Aufführung der Wiener Staatsoper die Partie des Ottavio in Mozarts „Don Giovanni“. Am 8. Jänner 1948 war er tot. Der Lungenkrebs hatte seinem erfolgreichen Leben ein vorzeitiges Ende gesetzt. Seine sterbliche Hülle wurde in einem Ehrengrab der Stadt London beigesetzt. F. W.