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Zum Tode Richard Taubers

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Richard Taubers Künstlerschaft

Mit Richard Tauber verliert die musikalische Welt vor allem die Welt des Theaters, einen der berühmtesten Sänger der Jahrzehnte zwischen den beiden Weltkriegen. Sozusagen auf den Brettern aufgewachsen, bereitete er sich am Konservatorium in Frankfurt am Main zunächst für die Kapellmeisterlaufbahn vor, ging dann aber bald zum Gesangsstudium über und machte schon am Anfang seiner Zwanzigerjahre von Sachsen aus als Opernsänger von sich reden. Von dort aus eroberte er sich allmählich die großen Bühnen Deutschlands. Oesterreichs, die Pariser Oper und den Londoner Covent Garden: Schallplatten und Rundfunk trugen bald Taubers Stimme über den ganzen Erdball.
Diese Stimme war keineswegs ungewöhnlich groß, ja nicht einmal strahlend oder packend; aber ein von Natur aus köstliches Material war hier durch eine ganz individuelle Schulung zu einmaliger Form geworden, und durch die fast beispiellose Musikalität Taubers, seinen künstlerischen Geschmack und eine beinahe unvergleichliche Technik hatte sie jene Note erhalten, die immer wieder die Ohren und Herzen berückte. Als Sänger des Tamino in Mozarts ..Zauberflöte“ oder als Don Ottavio im „Don Juan“ hatte Richard Tauber eine Zeitlang nicht seinesgleichen auf der deutschen Opernbühne. Mit wachsender Reife gewann auch seine darstellerische Leistung (beispielsweise als Don José in „Carmen“) ein sehr beachtliches Gepräge.
Es ist müßig, darüber nachzudenken, ob es mehr die künstlerische Universalität Taubers oder aber sein eigenartiger Geltungstrieb oder aber die weise Erkenntnis der Begrenztheit seiner Stimmittel war. die ihn späterhin bestimmten, von der Oper immer öfter zur Operette, vom Theater zum Film, von der Bühne zum Kapellmeisterpult hinüberzuwechseln Wohl besteht kein Zweifel darüber, daß Tauber die Operette — man denke nur an „Das Land das Lächelns“ — durch seine Gesangskultur adelte und daß er noch einen Song liebenswürdig-österreichisch und zugleich schubertisch-innig singen konnte. Auch seine Leistungen als Kapellmeister und Komponist konnten sich sehen und hören lassen. Niemand aber durchlebte etwa ein Galakonzert, in dem Tauber als Dirigent auftrat, ohne tiefes Bedauern, nicht doch lieber seiner Stimme lauschen zu können.
Der jungen Generation Deutschlands ist Richard Tauber natürlich weniger bekannt, da er zu jenen gehörte die aus rassischen Gründen das Reich Hitlers verlassen mußten. Aber in diesen Tagen nach seinem recht frühen und überraschenden Tode und noch viele Jahre später wird man nun ungehindert dem fast einzigartigen Legato Taubers lauschen können, das die Platte für immer festgehalten hat.
L. G.