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Wie ich Richard Tauber einen Streich spielte

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Liebe Constanze*, Deine Richard-Tauber-Serie hat in meinem Gehirn-Rumpelkasten ein Erlebnis aufgestöbert, von dem ich denke, daß Du Spaß daran haben könntest. Richard Tauber und ich kannten uns von unserer Wiesbadener Pennäler-Zeit her. So erinnere ich mich, wie uns beide mal ein Polizist verfolgte, weil wir an einem Bahndamm mit einem Torzerol Schießübungen auf einen Blechkanister veranstaltet hatten. 1932 erst sah ich den Flegeljahr-Kumpanen von damals in unserem geliebten Wiesbaden bei einem Gastspiel wieder, nun als großen, weltberühmten Tenor. Er erkannte midi sofort, obwohl ich ihm aus dem Wege zu gehen gedachte. Aber ich war damals Reporter der Aktuellen Abteilung des Südwestfunks und erhielt noch am selben Abend den Auftrag, ein Interview mit Tauber zu machen. Es hieß in dem Telegramm: «… versuchen Sie, daß Tauber sich bereitfindet, auch ein kleines Lied zu singen. Ein Honorar können wir auch ihm, wie bei allen Interviews, aus prinzipiellen Gründen nicht zahlen.“ Ich wußte, daß kein Sänger im Rundfunk auch nur einen Ton ohne Honorar von sich gibt. Aber versuchen wollte ich’s. Wir verabredeten einen Termin und fixierten das Interview vorher schriftlich. Natürlich lehnte er ab, zu singen. Ich hatte aber ins Manuskript die harmlose Passage eingebaut „Wissen Sie, Herr Tauber, es geht einem wirklich ans Herz, wenn Sie so singen: Dein ist mein ganzes Herz …“ usw. Als die Sache nun auf Platten gesprochen wurde und diese Stelle an die Reihe kam, sang ich „Dein ist mein ganzes Herz“ (statt es zu sprechen) und zwar so falsch wie nur möglich. Sofort unterbrach mich Richard aufgeregt und fiel mit herrlicher Stimme ein, um mir zu zeigen, wie es richtig gesungen wird. Mein Trick hatte funktioniert. Der Rundfunk hatte, was er wollte. Mir aber hat er den Streich nie vergessen. Viele Grüße Dein Edwin Halle, Buenos Aires

* (gemeint ist die Redaktion der Illustrierten)