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Und hat den Prinzen geduzt

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Willy Witte erinnert sich an Richard Tauber

Am morgigen Sonntag wäre der berühmte Tenor Richard Tauber 80 Jahre alt geworden. Die Erinnerung an den Operettenstar der 20er und 30er Jahre kam in Person von Willy Witte in die Redaktion. Willy Witte — das ist der Schauspielgast aus Hamburg, der derzeit hier im „Hauptmann von Köpenick“ neben dem Amtsstubenkommissar noch zwei weitere Rollen spielt und sich freut, mit seinem Freund aus alten Berliner Tagen, Günther Lüders, wieder einmal gemeinsam auftreten zu können.
Willy Witte, der sein 40 jähriges Bühnenjubiläum bereits hinter sich hat (was man angesichts des Schauspielers sich weigert einzusehen), wandert im Erinnern zwischen sich und Richard Tauber hin und her. Der gebürtige Braunschwegier debütierte in seiner Heimatstadt, kam nach Berlin und wanderte durch die Provinz, um sich freizuspielen, ging nach Den Haag, wo er Holländisch lernte und an der Königlichen Schauburg spielte. Von hier hat er 1933 Richard Tauber samt Familie und Troß über die Grenze geholt — und von Haarlem aus startete er mit Richard Tauber eine Operettentournee, die bald vier Jahre dauern sollte, durch Holland, Belgien, Frankreich bis nach London.
„Tauber hatte auch im Ausland irrsinnigen Erfolg. Mit dem Prince of Wales und nachmaligen Herzog von Windsor war er per Du. Der Prinz hatte eine Loge im Aldwich-Theater und hat während der vielen Monate unseres Gastspiels nur wenige Vorstellungen ausgelassen.“ Willy Witte schwärmt von jenen Zeiten, da er sonntags in Londoner Vororten auftrat und Taubers „Dein ist mein ganzes Herz“ kopierte — darüber Tauber, nachdem er dieses gemerkt hatte, mit einem humorvollen Augenzwinkern hinwegging.
Ein vor Anekdoten sprühender All-roundman ist dieser Willy Witte, der unter und mit Größen von Berlin bis München und jetzt Hamburg aufgetreten ist, der 1938 einen Ufa-Vertrag , bekam und 58 Filme drehte, der aus den Hamburger Funk- und Fernsehstudios nicht wegzudenken ist und der den jungen Kollegen einen Rat gibt: „Ein Schauspieler sollte auch ein wenig Gesang studieren, um sein Zwerchfell zu stützen — dann hat er eine Technik und braucht keine Angst um seine Stimme zu haben.“

Günter Zschacke