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Tauber in Gera

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Abschrift eines Artikels, aus einer DDR-Zeitung, aus den fünziger Jahren.

Richard Tauber sang einst in Gera

Unser phg-Mitarbeiter in Pölzig bei ehemaliger Opernsängerin Gertrud Killig

Eine interessante Begegnung hatte unser phg-Mitarbeiter kürzlich in Pölzig. Gemeinsam mit dem Heimatforscher Otto Kühne besuchte er die Gattin des verstorbenen Tierarztes Dr. Killig, die vor vielen Jahren im damaligen Chemnitz Opernsängerin war. Mit Begeisterung spricht Frau Gertrud Killig noch heute vom Theater und von der Zeit, in der sie gemeinsam mit dem berühmten Sänger Richard Taubert am Vereinigten Stadttheater Chemnitz im Opernensemble tätig gewesen ist. „Richard Tauber war damals ein richtiger lieber Naturbursche. Ich trat oft mit ihm auf und fuhr mit ihm auch zu einem Gastspiel nach Gera.“

Dieses Gastspiel fand am 24. April 1913 im Fürstlichen Hifitheater in Gera statt. Das Chemnitzer Opernensemble führte damals Aimé Maillarts „Das Glückchen des Eremiten“ auf, eine komische Oper in drei Akten. Die Kritik schrieb im „Geraischen Tageblatt“: „In Herrn C. Richard Tauber, der den Sylvian sang, stand Frl. Merkel ein ungemein stimmbegabter Partner zur Seite. Herr Tauber verfügt über einen vollen, prächtig klingenden Tenor und über eine gute Schule. Schon die erste Romanze ,0, schweige still‘ gelang gut und nahm die Hörer unwillkürlich für den noch jungen Sönger ein. Prächtig klang sein .Wie schön ist die Zeit‘ im 2. Akt, und in dem großen Duett mit Rose Friquet führte Herr Tauber seinen Part mit Bravour und anerkennenswertem Gelingen durch. Im letzten Akt reichte Herr Tauber stimmlich nicht mehr aus. Als Schauspieler muß Herr Tauber noch sehr viel lernen und namentlich freier und temperamentvoller werden. Soweit die Geraer Kritik. Wie sich Rezensenten irren können, beweist eine andere Kritik, vom 30 Juni 1914: „Herrn Hofopernsänger Tauber bewundere ich wegen der Schnelligkeit, mit der er sich auf den Brettern heimisch gemacht hat, daran zu glauben, dass er auf den von ihm betretenem Wege seine nicht allzu reichlichen stimmlichen Mittel zur vollen Entfaltung bringen kann, vermag ich nicht.“

Richard Tauber aber erlangte Weltruhm mit dieser Stimme und wurde überall gefeiert. Als die Nazis an die Macht kamen, emigrierte er nach England. Frau Killig besitzt noch mehrere Widmungen von dem großen Sänger.

Die Künstlerin war auch freundschaftlich mit einem der profiliertesten deutschen Pianisten, Wilhelm Backhaus, verbunden. Er wohnte in ihrem Leipziger Elternhaus, das noch heute in der Kurt-Eißner-Straße steht. In dem Hirtenknaben im „Tannhäuser“, die Marie im „Waffenschmied“, das Aenchen im „Freischütz“, verschaffen Frau Killig immer wieder begeisterte Rezensionen.

Die Künstlerin überraschte unseren Mitarbeiter mit einem außergewähnlichen Fund. Es handelt sich um den Teil einer tragischen Oper des Engländers J. Charlowitz Ames, die nie zur Aufführung gelangte. Auf ihrem Büthnerflügel, den sie einmal den Bühnen der Stadt Gera zum Geschenk machen will, spielte sie Partien aus „Der letzte Inka“ vor. „Ich interpretiere sie immer wieder diese so sehr melodiöse Musik; sie findet mein Gefallen. Ich liebe sie sehr.“