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Richard Taubers Witwe zu Besuch in Linz

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Sie gestand: „Wir führten eine Bilderbuchehe“

Von Bert Rudolf und P. Janisch

Es war ein trostloser Spätsommertag, es regnete in Strömen, als gestern, kurz vor acht Uhr früh, am Linzer Hauptbahnhof eine attraktive, gepflegte Dame aus dem Zug stieg. Den wolkenverhangenen Himmel, die lustlosen Gesichter der Reisenden beachtete sie nicht. Diana Napier-Tauber, die Witwe des unvergesslichen Tenors Richard Tauber, war glücklich, endlich einmal die Geburtsstadt ihres Mannes kennenzulernen. Ihr Aufenthalt in Linz hatte auch noch einen anderen Grund: Diana Tauber brachte dem musikalischen Leiter des Studios Oberösterreich, Dr. Leopold Mayer, wertvolle Manuskripte ihres Mannes für eine Richard-Täuber-Gedenksendung im Rundfunk mit.
Diana Tauber, seit dem Tod hres Mannes eine wohlbestallte Londoner Geschäftsfrau, kam nach mehr als 30 Jahren wieder nach Österreich. Unter ihrem Gepäck befand sich ein 30 Kilogramm schwerer Koffer, in dem sich neben verschiedenen Manuskripten auch eine von Richard Tauber komponierte, bisher unbekannte, Operette befand. Eines der kostbarsten Andenken, die die gepflegte und sehr jung wirkende Witwe des 1948 verstorbenen Künstlers nach Österreich mitbrachte, war ein langer schwarzer Umhang, den Richard Tauber sehr häufig getragen hatte.
Beim Frühstück im Hause Dr. Mayers hatte Diana Tauber Gelegenheit, über ihr Leben mit dem weltbekannten Künstler, der in der Herrenstraße in Linz geboren wurde, zu erzählen.
Diana: „Unsere Bekanntschaft begann wie eine Bilderbuchliebe. Als ich 1935 in London eine Opeettenaufführung besuchte, sang Richard das Lehár-Lied .O Mädchen, mein Mädchen.. .* Ich war hingerissen. Ein Jahr später heirateten wir.“ Später erwies sich, welch großartige Ehefrau Diana war, vor allem, als Richard Tauber aus Österreich emigrieren mußte, bestand ihre Liebe die Feuerprobe.
Diana Napier-Tauber hält einen Augenblick inne. Sie senkt den Kopf und meint in englisch gefärbtem Deutsch: „Richard war ein Österreicher mit Leib und Seele. Sein Leben gehörte der Musik. Als er aus seiner Heimat flüchten mußte, wurde er ein anderer Mensch. Dr. Leopold Mayer begleitete die Engländerin anschließend zum Geburtshaus ihres Mannes. Schmunzelnd stellte Diana fest, daß auf der Gedenktafel Tauber um ein Jahr jünger gemacht worden war.
Die Witwe Taubers, mit einem schicken grünen Kostüm bekleidet, reiste noch am gleichen Tag nach Wien weiter, wo sie alle Gedenkstätten, die mit Richard Taubers Ruhm zusammenhängen, besuchen will. Diana Tauber berichtete auch von ihren Plänen in London: „Neben dem Schloß Windsor soll ein Sommertheater entstehen, das ausschließlich dem Andenken meines Mannes gewidmet ist. 1971 soll dort schließlich das erste Lehár-Festival gestartet werden.“
Dank seiner guten Beziehungen zur Familie des Künstlers bekam Dr. Mayer gestern von der Witwe des weltberühmten Linzers die Unterlagen ausgehändigt, die er für seine Rundfunksendung benötigt. Jene Unterlagen, am die man sich in der Musikwelt bisher vergeblich bemüht hat…