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Mißglückte Fernsehsendung um Tauber

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Artikel aus der DDR. ca. 70er Jahre.

Wer von den älteren Dresdner Musikfreunden kennt nicht Richard Tauber, der nach kurzem Debüt im damaligen Chemnitz von Generalintendant Seebach und Ernst von Schuch an die Staatsoper engagiert wurde! Es begann damit für den Sänger eine Zeit großer Ertolge aut der Opetnbühne – ein Jahrzehnt, das er selbst als das schönste in seiner Künstlerlautbahn bezeichnete. Daran und an die späteren Operettentriumphe Taubers wollte eine Fernsehsendung unter dem Titel .König der Tenöre“ erinnern. Da es ihr an entsprechenden optischen Dokumenten mangelte. wurden einige Episoden aus dem Leben Taubers nachgestaltet bzw. von Gerhard Schulz erzählt. Leidet unterschieden dabei Buch und Regie, iür die Ralt Thieme verantwortlich zeichnete, zuwenig zwischen den allgemeinen Problemen der Operette in den zwanziger Jahren und Taubers Wirken in dieser Kunstgattung. Er setzte sich mit ganzer Kraft für die von ihm gesungenen und gespielten Werke ein und schonte sich nicht. Als Tauber aber schwerkrank darniederlag, als schon vom Ende seiner Gesangskarriere gesprochen wurde, bedrohten ihn bald Existenzsorgen, während andere mit seinem Namen und seinem Können enorme Geschäfte in der Operettenbranche aemacht hatten. Ist das nicht ein geradezu typisches Beispiel für die Position des Künstlers in der kapitalistischen Gesellschaftsordnung? Mit Nelson-Parodie und spöttischen Seitenhieben aut Tauber wird diese Situation jedoch kaum verdeutlicht.

Ästhetische Bedenken müssen auftauchen, wenn in dieser Sendung zu der Arie .Wie sich die Bilder gleichen“ aus „Tosca“ Tauber-Fotos in verschiedenen Partien gezeigt werden oder wenn zu Originalplatten mit der Stimme des Sängers Schauspieler von heute in altmodischer Pose agieren. Während man sich in Film und Fernsehen sonst bemüht, Sänger möglichst wenig vor der Kamera wie auf der Bühne singen zu lassen, werden hier extra solche Szenen nachgestellt. Sie können natürlich kein echtes dramatisches Anliegen haben, sie bebildern nur oberflächlich wie Landschaftsaufnahmen zu volkstümlichen Liedern Taubers.

Das Bemühen des Fernsehfunks an den Todestag von Richard Tauber, der im Januar 1948 völlig verarmt in London starb, zu erinnern, ist anzuerkennen, zumal ihn die Nazis aus Deutschland vertrieben hatten. Eine Rundfunksendung mit Originalplatten wäre in diesem Falle jedoch geeigneter gewesen. Gerade im musikdratimatischen Bereich eignet sich nicht alles für das Fernsehen, und das sollte auch beachtet werden.