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Falscher Zauber um Richard Tauber

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Das Fernsehen zertrümmert Legenden:

Seine Lebensgeschichte wird erzählt wie ein Märchen: Er war ein armer Junge, der in einem Elendsviertel aufwuchs, er wurde zufällig als Sänger entdeckt, betörte als Star-Tenor und strahlender Frauenheld unzählige Herzen und starb schließlich einsam und verlassen in der Emigration . . .
In Wirklichkeit aber ist diese Legende vom „göttlichen“ Richard Tauber falscher Zauber! Nichts davon stimmt! Selbst sein Geburtsdatum ist in allen Lexika und Musikgeschichten falsch angegeben!
Zu diesem Ergebnis kamen die Autoren Wolfgang Korruhn und Emanuel Schillig, als sie jetzt für das ZDF den Film „Auf der Suche nach Richard Tauber“ drehten. Die Autoren sprachen mit der dritten Frau des weltberühmten Tenors, Diana Napier, die heute zurückgezogen in London lebt. Sie trafen Max Tauber, einen Vetter des Operetten-Stars, der jetzt als Präsident des „Internationalen Ri-chard-Tauber-Clubs“ in Bad Ischl wohnt. Sie interviewten Sänger, Komponisten und Textschreiber, die mit dem Künstler zusammengearbeitet haben. Und so ganz allmählich entstand aus diesen Begegnungen die wahre Lebensgeschichte des Richard Tauber: 9 Er wurde nicht am 16. Mai 1892 in Wien geboren, sondern genau ein Jahr früher in Linz! Der angeblich so arme Junge war in Wirklichkeit das wohlbehütete Kind eines Schauspielers, der die Karriere seines Sohnes von Anfang an sorgfältig plante.
Er machte zwar viele Schulden, war aber auch am Ende seines Lebens noch sehr wohlhabend. Hinter der eleganten Art, mit der er viele Frauen eroberte, verbarg er sein zweites Ich. Er war ungeheuer zäh, fleißig und ehrgeizig und sang selbst als Krebskranker noch kurz vor seinem Tod heitere Operettenmelodien. „Auch viele liebenswürdige Eigenschaften Taubers haben wir neu „entdeckt'“, berichtet Emanuel Schillig. „Wußten Sie zum Beispiel, daß der Star den Western-Autor Karl May über alles liebte und nie ohne seine sämtlichen Werke auf eine Tournee ging? Oder kannten Sie seine Schwäche für Orden? Er ließ sich sogar vom Papst einen verleihen!“ Höhepunkt des Richard-Tauber-Porträts ist ein Stimmenvergleich: Fritz Wunderlich und Richard Tauber singen dieselbe Arie unter gleichen akustischen Bedingungen. „Es ist kaum zu glauben“, meint Autor Emanuel Schillig, „aber selbst dabei ist Richard Tauber noch heute der Größte!“