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Einer der populärsten deutschen Tenöre

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v. Juli 1956

Richard Tauber
Einer der populärsten deutschen Tenöre

Vielen Menschen ist der Name Richard Tauber nur in Verbindung mit dem Namen Franz Lehár und dem Begriff der Operette in Erinnerung. Wie wenige wissen noch, daß Richard Tauber seiine ersten großen und bedeutenden Erfolge als Mozart-Sänger an Bühnen wie der Lindenoper und der Staatsoper Dresden feiern konnte. Wie wenige werden noch davon wissen, daß nach seiner berühmten Gestaltung des Tamino in der „Zauberflöte“, übrigens sein erstes Defout 1913 am Stadttheater im heutigen Karl-Marx-Stadt, diese Oper den Scherznamen „Tauberflöte“ erhielt. Taubers so glanzvolle sängerische Laufbahn begann mit einer Reise nach Wien zu dem berühmten Professor Demuth, dessen fachkundiges Urteil der Vater Richard Taubers einholen wollte, bevor er seine Einwilligung zum Gesangsstudium seines Sohnes gab. Aber das Urteil auf „Siegmunds Liebeslied“ war vernichtend: Da ist nicht der leiseste Schatten einer Chance, das ist keine Stimme, das ist nicht einmal „ein dünner Zwirnsfaden“.
Vergeblich hatte der Vater bisher versucht, seinen Sohn für den Beruf eines Juristen oder den eines Mediziners zu interessieren. Er hatte, da er dessen musikalische Begabung erkannte, ihm Violin- und Klavierstunden geben lassen, aber Richard hielt es nicht lange durch. Er brachte seine freie Zeit lieber im Theater zu, verehrte glühend den jugendlichen Heldentenor der Wiesbadener Oper, aber wußte selbst eigentlich nicht ganz genau, was er wollte. Auch der probeweise erteilte Schauspielunterricht war nur vorübergehend, ohne ihn zu ernsthaftem Studium anregen zu können.
Der damals nach Wiesbaden verpflichtete Dirigent Arthur Rother riet, da er die erstaunlichen Fortschritte in der Selbstausbildung Richards am Klavier wahrgenommen hatte, zu einem Kapellmeisterstudium auf dem Hochschen Konservatorium in Frankfurt am Main. Dieses Studium erweckte sein ganzes Interesse und er dirigierte bald sehr erfolgreich Beethovens „Egmont“-Ouvertüre und komponierte auch während einer Krankheit seine erste Oper „Die Sühne“ nach Theodor Körners einaktigem Schauspiel. Es folgten Studienjahre in Freiburg im Breisgau, wo er Gesangsunterricht bei Prof. Beines nahm. Nach beendetem Studium folgte nach dem ersten Engagement im damaligen Chemnitz eine Verpflichtung an die Staatsoper Dresden. .Durch seine große Musikalität und seine Fähigkeit, Partien in kürzester Zeit zu beherrschen, ergab sich für ihn sehr bald die Gelegenheit, erstmalig auch in Berlin zu gastieren, indem er für einen erkrankten Kollegen einspringen konnte. Der Erfolg waren vertragliche Bindungen mit der Lindenoper, denen später Verpflichtungen nach Salzburg, Paris, Genf, Stockholm und Amerika folgten; Richard Tauber stand mit Sängern zusammen auf der Bühne, deren Namen heute nicht weniger bekannt sind als der seine: Lotte Lehmann, Elisabeth Rethberg, Maria Cebotari und Tino Pattiera, mit dem ihn eine feste Freundschaft verband. Sein Repertoire, zu dem sehr bald alle lyrischen Tenorpartien und zu deren Lieblingspartie der Lensky aus „Eugen Onegin“ gehörte, umfaßte aber für ihn ebenso selbstverständlich den Liedgesang wie auch das Oratorium. Selten wohl ist ein Sänger auf musikalischem Gebiet so vielseitig begabt gewesen wie er. Trotz aller sängerischen Erfolge ließ er keine Gelegenheit ungenützt, wieder einmal dirigieren zu können.

Mit der nazistischen Machtübernahme 1933 wurde Richard Tauber als rassisch Verfolgter aus Deutschland ausgewiesen und fand in London seine zweite Heimat. Dort schrieb er auch seine erste eigene Operette „Der singende Traum“ mit dem so bekannt gewordenen Lied „Du bist die Welt für mich“. 1934 erlebte dieses Werk in in Wien, der Hauptstadt Österreichs, seine glanzvolle Uraufführung. Nach einer kurze Zeit später erfolgten Amerika-Tournee machten sich bei Tauber immer stärker werdende Indispositionen bemerkbar. Tauber selbst kannte die Ursache seines Leidens nicht, die Ärzte hatten Lungenkrebs festgestellt, aber die Folgeerscheinungen zwangen ihn mehr und mehr, das Schwergewicht seiner künstlerischen Arbeit auf das Dirigieren und Komponieren zu verlegen. Richard Tauber der seit 1939 britischer Staatsbürger war, sang zum letzten Mal den „Ottavio“ bei einem Gastspiel seiner geliebten Wiener Oper in London. Und er sang schöner als je zuvor. Die kurz darauf erfolgte Operation gelang, aber ein Rückfall brachte die furchtbare Gewißheit, daß eine Rettung nicht mehr möglich war. Er starb in den frühen Morgenstunden des 8. Januar 1948. Richard Tauber, der große deutsche Sänger, hat es nicht mehr erleben können, aus der Emigration in seine Heimat, nach Berlin, zurückzukehren.
Ka.