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Eine Stimme erobert die Welt

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Zum Tode Richard Taubers am 8. Jänner in London.

Richard Tauber, einst unbestrittener König der Wiener Operette, ist nicht mehr. Eine Stimme, die Tausende beglückte, die in der ganzen Welt bekannt war, ist für immer verklungen. Doch in den Herzen seiner Freunde, denen er so viele schöne Stunden geschenkt hat, wird er weiterleben, die, die ihm einst zugejubelt haben, werden ihn nicht vergessen, und wenn im Radio sein begnadet weicher Tenor erklingen wird, werden viele für Minuten im Gespräch innehalten und sich seiner erinnern.

Sein letzter Wunsch, noch einmal mit den Wiener Philharmonikern auftreten zu dürfen, ist im vergangenen Herbst erfüllt worden. Noch war es Tauber vergönnt, zusammen mit dem weltberühmten Orchester in der Covent-Garden-Oper aufzutreten und den Octavio in Mozarts „Don Giovanni“ zu singen. Seit dieser Zeit war er bettlägerig und er mußte sich einer komplizierten Bauchoperation unterziehen. Fast glaubte man, daß er seine Krankheit gut überstehen würde, bis eine schwere Krisis eintrat, der er nicht standhalten konnte.

Als Sohn des damaligen Generalintendanten des Theaters in Chemnitz wurde er am 16. Mai 1892 in Linz an der Donau geboren und schon während seiner frühesten Jugend mit dem Theater vertraut. Seinen damaligen Lehrern war Taubers Stimme zu unbedeutend, und so wandte er sich der Kapellmeisterausbildung zu, nahm aber gleichzeitig Schauspielunterricht. In Freiburg wurde man erstmalig auf seine weiche,“ aber damals noch sehr schwache Stimme aufmerksam. Schon wenige Monate später begann sein Triumphzug in Dresden, wo er cm 2. Mai 1913 den Tamino in der „Zauberflöte“ sang.
Einige Jahre später kam er nach Wien, wo er im „Dreimäderlhaus“ auftrat und sich mit dem Lied „Ich schnitt‘ es gern in alle Rinden“ die Herzen |ler Frauen m Sturm eroberte. Dann begann seine große Karriere in der Staatsoper mit dsr Rolle des Pedro in „Tiefland“. Es würde zu weit führen, alle seine späteren Opernpartien aufzuzählen. Es sei nur erwähnt, daß er Mozart und Puccini mit einer seltenen Schönheit interpretierte.

Mit den Lehár-Operetten ist der Künstler dem breiten Fublikum vertraut geworden. Es gab keinen, der mit dieser Musik solche wahrhaft epochalen Erfolge feiern konnte wie er. In aller Welt und in den verschiedensten Sprachen hat Richard Tauber Lehär gesungen und mit einigen Liedern — „Dein ist mein ganzes Herz“ oder „O Mädchen, mein Mädchen“ —- wahre Volkstümlichkeit erlangt.

Aber Tauber ist nicht nur durch seine Stimme berühmt geworden, er hat sich auch als Dirigent und Komponist einen Namen gemacht. Seine Operette „Der singende Traum“ wurde 1934 im Theater an der Wien uraufgeführt. Und nicht zuletzt kennt man ihn durch seine Filme, auch auf der Leinwand Hat er sich in die Herzen vieler gesungen. Seit 1938 lebte er in London und konnte 1940 die englische Staatsbürgerschaft erhalten. Am 8. Jänner hat er nun, kaum 56 Jahre alt, für immer die Augen geschlossen; ein Unvergeßlicher ist damit von uns geschieden.    Zim —