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Teil III – Diana Napier über Richard Tauber

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Lesen sie die Erinnerungen Diana Napiers, an Richard Tauber, aus der Zeitschrift „Revue – Die Weltillustrierte“, erschienen als Fortsetzungsgeschichte in fünf Teilen, im Jahre 1949.

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Teil III

Diana Napier – Dein ist mein ganzes Herz

Ins Deutsche übertragen von Catharina von Mayer

Am Abend wurde die ganze Angelegenheit mit der Familie besprochen und Richards Erfolg inmitten eines aufgeregten Kreises von Freunden gefeiert, unter denen natürlich Heinrich Hensel der erste war, um seinen einstmaligen „Laufburschen und Ankleider“ zu beglückwünschen.
Nach einer langen Aussprache mit Richard beschloss Tauber Senior, mit ihm nach Freiburg zurückzukehren, um die Angelegenheit mit Beines zu besprechen, bevor der Wiesbadener Kontrakt unterzeichnet wurde. Wieder zu Hause, verbrachte Richard viele Abende im Theater. Eines Abends sah er plötzlich Gretchen über die Bühne huschen, und er war versucht, zu ihr zu gehen und sie zu überraschen. Trotz der langen Trennung war doch noch ein weiches Gefühl in ihm für seine einstmalige Flamme. Aber beim Bühneneingang deutete der Logendiener, ein Vertrauter aus einstigen Tagen, auf ein Ungeheuer von Mann Und flüsterte ihm zu: „Gretchens Mann!“ Vernünftigerweise machte Richard kehrt, so schnell er konnte, und verschwand.
Wie verabredet, begleitete ihn sein Vater nach Freiburg. Nach einer langen Besprechung mit Beines wurde entschieden, dass das Wiesbadener Angebot nicht angenommen werden sollte. Richard war noch zu jung und hatte noch zu viel zu lernen. Ein sofortiges Engagement würde eine lange Zeit kleiner Rollen bedeuten und damit zu Unzufriedenheit und Enttäuschung führen.
Das Jahr 1912 verging nicht annähernd so rasch wie die ersten zwölf Monate bei Beines. Er versuchte die Eintönigkeit zu unterbrechen, indem er den Direktor des Stadttheaters quälte, ihm eine Rolle in einer Oper zu geben. Ob aber dieser gute Mann den Fähigkeiten des werdenden Tenors doch nicht zutraute, Turrido in der Cavalleria gerecht zu werden, oder ob der alte Beines Wind bekommen und gebremst hatte, kam nie heraus.
Jedenfalls wurde nichts aus dem Plan, und wohl oder übel musste er sich mit seinen Tonleitern zufriedengeben.
Verglichen mit dem Leben anderer großer Sänger war alles ziemlich leicht für ihn gegangen, wenn man von den Zeiten der Verzweiflung absieht, die auf die Proben in Wien und Wiesbaden folgten. Das übrige war nicht mehr als der übliche „Kriegszustand“ zwischen Vater und Sohn, die bekannten Streitigkeiten zwischen den heißen Wünschen des einen und den Erfahrungen des anderen. Richard gab das selber offen zu.
„Kampf?“ pflegte er mich mit hochgezogenen Augenbrauen zu fragen, „es gab nichts zu kämpfen! Denke an die Jugend von Caruso, oder noch besser, lies, wie es dem großen Fedor Chaliapine erging! Welche Jugend voll Bitternis! Armut, Schläge, Hunger! Ich war glücklich! Was macht es, dass ich anfangs enttäuscht wurde, was bedeutet es, dass mein Vater mich auslachte, weil ich Sänger werden wollte! Ich hatte immer genug zu essen. Ich hatte immer eine schöne Häuslichkeit, lernte große Schauspieler und berühmte Sänger kennen, bekam mein Taschengeld, verbrachte die Ferien in wunderschönen Orten in Österreich und der Schweiz! Kämpfen? Unsinn! Es war meine eigene Schuld, ich hätte mir nicht Lohengrin auswählen sollen.“
Lohengrin! Wäre statt Heinrich Hensel ein anderer Tenor sein Held geworden, einer, der in Mozart, Verdi oder Puccini glänzte, dann wäre die Geschichte seiner frühen „Kämpfe“ vielleicht nicht geschrieben worden. Zu der Zeit, als Beines in Freiburg ihn auf den richtigen Weg gebracht hatte, war seine Begeisterung für Wagner schon beträchtlich abgekühlt, und er konnte von Glück sagen, dass die Beharrlichkeit, mit der er seine zarte Stimme zu den Wagner-Arien zwang, ihr keinen Schaden zugefügt hatte.
Die Erkenntnis, wie nahe er dem Unheil gewesen war, stellte eine sehr nützliche Lehre für seine spätere Laufbahn dar; er vergaß sie nie, und daher stemmte seine Weisheit, solche Partien zu vermeiden, die die Stärke und Ausdauer seiner Stimme überstiegen. Und so wie er Mozart als den Anfang seines Aufstiegs unter die Sterne der Opernbühne bezeichnete, so blieb er diesem großen Meister für den Rest seines Lebens treu. Er begann als Tamino, und als Don Octavio beendete er seine Laufbahn.

3. Kapitel Der Weg zum Ruhm

Im Jahr 1913 begann Richard Taubers Laufbahn als Opernsänger. In diesem Jahre wurde sein Vater zum Generaldirektor des Städtischen Theaters in Chemnitz, einer aufstrebenden Industriestadt in Sachsen, berufen. Die Theaterzettel des Städtischen Theaters in Chemnitz kündigten für den 2. März 1913 eine Vorstellung von Mozarts Zauberflöte mit C. Richard Tauber als „Gast“ in der Rolle des Tamino an. Dies war eine der wenigen Gelegenheiten, wo sein zweiter Vorname, Carl, erwähnt wurde. Er erscheint weder auf seinem Geburtsschein noch einem anderen offiziellen Schriftstück und wurde damals hauptsächlich angeführt, um eine Verwechslung mit seinem Vater, der auch Richard hieß, zu vermeiden. Als „Gast“ angekündigt zu werden war eine große Ehre, die sonst nur Künstlern von anerkanntem Ruf vorbehalten war. Stets erinnerte er sich mit Vergnügen an die ersten Worte von Tamino, die nur zu realistisch die Gefühle ausdrückten, mit denen er in den Kulissen auf sein Stichwort wartete.
„Zu Hülfe! Zu Hülfe! sonst bin ich verloren, Der listigen Schlange zum Opfer erkoren, Barmherzige Götter, schon nahet sie sich! Ach, rettet mich! Ach, schützet mich!“
Doch der Applaus, den seine Arie „Dies Bildnis ist bezaubernd schön“ hervorrief, machte all seinen Befürchtungen und Sorgen ein Ende. An einem der folgenden Abende sang der junge Held die Titelrolle des Max im Freischütz, C. M. von Webers romantischer Oper. Seine jugendliche Erscheinung und sein lyrischer Tenor nahmen das Publikum rasch gefangen, und als er die schöne Kavatine “Durch die Wälder, durch die Auen“ in jenem vollendeten Legato gesungen hatte, für das er später berühmt wurde, brachen seine Zuhörer in stürmischen Beifall aus. Glücklicherweise ahnte er nicht, dass in diesem Augenblick einer der strengsten Kritiker unter den Zuhörern saß: Graf Seebach, der berühmte Direktor der Königlichen Oper in Dresden!
Nach dem Erfolg des ersten Abends war nämlich „Papa“ nach dem nahen Dresden geeilt, und hatte den großen Mann überredet, nach Chemnitz zu „kommen, um seinen Sohn zu hören. Mehr aus Freundschaft und Achtung für Vater Tauber als in der Erwartung, eine sensationelle Entdeckung zu machen, hatte der Graf die Reise unternommen. Kurz nach der Vorstellung bewies er, dass er den Besuch in Chemnitz nicht bereute? Schnell entschlossen bot er noch am selben Abend dem jungen Sänger einen fünfjährigen Vertrag für die Dresdener Oper an!
Ein Vertrag mit dem Königlichen Opernhaus in Dresden! Nur wer die Geschichte der deutschen Opernhäuser kennt, kann ermessen, was ein solches Engagement für Tauber bedeutete. Das Dresdener Opernhaus war ein Theater, das mit seinen vollendeten Aufführungen und seinem wunderbaren Ensemble von Sängern und Musikern um diese Zeit kaum seinesgleichen hatte.
Der Vertrag mit Dresden sollte vom 1. August 1913 bis zum 31. Juli 1918 gelten. Die Gage Taubers war 4000 Mark für das Jahr 1913 bis 1918, ansteigend auf 9300 Mark. Dazu kam eine Gratifikation für jede Vorstellung, in der er auftrat, die, mit 20 Mark beginnend, in der gleichen Spielzeit auf 47 Mark stieg. Der Vertrag enthielt noch die ‚ Klausel, dass Richard ohne Bezahlung bei den Gottesdiensten in der Königlichen Hofkirche singen musste!
Da hundert Vorstellungsgratifikationen pro Jahr garantiert wurden, belief sich Richards Einkommen auf 6000 Mark im Jahre 1913 und 14 000 Mark im Jahre 1918. Später, als ein einziges Konzert ihm manchmal mehr einbrachte als ein Jahr in Dresden, lächelte er wohl manchmal über die Bedingungen seines ersten Vertrags. Doch damals erschienen sie ihm als die Höhe schwindelnden Erfolgs, so dass ihm in der ersten Zeit in Dresden seine neue Stellung sehr zu Kopf stieg. Er hat oft gestanden, dass er ohne die weise Leitung des Grafen Seebach sicher unerträglich eingebildet geworden wäre.
Eine seiner teuersten Erinnerungen an seinen Aufenthalt in Dresden war seine Freundschaft mit dem großen Tenor Tino Pattiera, der damals einen glanzvollen Ruf an der deutschen Opernbühne besaß. So merkwürdig es auch ist, dass zwei Tenöre Gefallen aneinander finden, so scheinen Pattiera und sein zukünftiger Rivale doch damals in Dresden große Freunde gewesen zu sein. „Kastor und Pollux“, wie ihr Spitzname bald hieß, waren unzertrennlich, und die Bevölkerung Dresdens genoss vergnügt das ungewöhnliche Schauspiel, zwei Tenöre zu sehen, die sich nicht gegenseitig die Augen auskratzten. Es bestand kein Neid zwischen ihnen, kein Missverstehen oder Streiten — bis Tino Pattiera ein Grammophon und eine schöne Sammlung von Caruso-Platten erstand!
Von diesem Tage an wurde Pattieras bevorzugte Ruhestunde — sein Vormittag im Bett — tagtäglich roh gestört. Manchmal um 9 Uhr oder sogar früher tönte die Türglocke, und Jung-Richard stürmte in Tinos Schlafzimmer und stürzte sich auf das Grammophon, ohne auf die Proteste seines Freundes zu hören und unter gänzlicher Missachtung der kräftigen Sprache der Zimmerwirtin. Stundenlang konnte er dort sitzen und immer wieder die Platten des großen Meisters, Enrico Caruso, spielen. So glühend Pattiera selbst diesen wunderbaren Tenor bewunderte, so wünschte er doch manches Mal, dass er die teuflische Maschine nie gekauft hätte, die nun seinen ganzen Tageslauf durcheinander brachte. Zum Glück für die Freundschaft der beiden legte sich Richard bald selbst ein Grammophon 4u, und damit wurde die Harmonie wieder hergestellt.
Diese „Caruso-Stunden“ gehörten zu den schönsten Erinnerungen der beiden, und obgleich ihre Laufbahn sie später verschiedene Wege führte, überlebte ihre Freundschaft alle Trennungen.
Die Bewunderung für Caruso verließ Richard Tauber niemals in seinem ganzen Leben. Nicht einen Augenblick hätte er gewagt, zwischen sich selbst und diesem einzigartigen Phänomen unter den Sängern Vergleiche zu ziehen: nichts konnte ihn mehr aufbringen, als wenn man ihn den „Deutschen Caruso“ nannte. Jahre später, während einer Tournee durch Italien, entdeckte er an einer Anschlagsäule eine Ankündigung seines nächsten Auftretens in jener Stadt. Als er die Worte las, Ricardo Tauber, „Il Caruso Tedesco“, geriet er außer sich vor Wut. Niemand, der gesehen hat, wie er am Grabe seines größten Helden niederkniete und betete, könnte ihm je zutrauen, was er selbst als Anmaßung empfand.
Aber zurück zu Dresden! Richards Opernlehrzeit ließ ihm genügend Zeit für seine Ausbildung zum Dirigenten: es war der Höhepunkt seiner Freundschaft mit Pattiera, als eines Tages der junge Tauber den Taktstock ergriff, um bei einem Konzert Pattieras die Orchesterbegleitung zu dirigieren: ein Ereignis, das die Beliebtheit der beiden Tenöre sehr erhöhte.
Seine Dresdener Entwicklungszeit wurde durch den Krieg von 1914—1918 nicht wesentlich unterbrochen. Er wurde vom Kriegsdienst befreit und konnte seine Laufbahn ohne Unterbrechung fortsetzen, wenn auch seine Dienste sehr oft für Vorstellungen in Lagern und Lazaretten in Anspruch genommen würden.
Inzwischen war sein Repertoire von Opernpartien beträchtlich angewachsen. In Dresden begann man, ihn als eine Hauptstütze zu betrachten. Die Anerkennung an seinem Heimattheater ging mit seinem stetig wachsenden Ruf in ganz Deutschland und Österreich Hand in Hand. So wagte er sich im Jahre 1919 zum ersten Mal in die Höhle des Löwen, die Staatsoper Berlin. Er trat dort in Traviata und Tosca auf, doch hinterließ dieser Besuch keinen besonderen Eindruck bei den Berliner Kritikern.
Zu den Partien, die er einstudierte, gehörten der Linkerton in Madame Butterfly, Hofmann in den Erzählungen und andere Rollen, oft auch in Opern, die nicht zum eigentlichen Theaterprogramm dieser Jahre gehörten. Er erinnerte sich mit Vergnügen seiner Mitwirkung bei der Premiere von d’Alberts wenig bekanntem Werke Die toten Augen, Tschaikowskys Eugen Onegin und Donizettis Die Regimentstochter. Aber immer blieb Mozart sein Lieblingskomponist, und sein Auftreten in Don Giovanni, Entführung aus dem Serail oder Zauberflöte trugen ihm das höchste Lob der Kritik ein.
Nach einem Auftreten Richards im „Dreimäderlhaus“ prophezeite ihm sein großer Freund Tino Pattiera, dass er sich eines Tages einen großen Namen als Operettensänger machen werde. Der Zauber seiner Stimme, sein Temperament erweckten den Eindruck einer Unbeschwertheit, die ihn für die Wendung seiner Karriere in den kommenden Jahren vorherzubestimmen schien.
Während dieser ganzen Zeit vernachlässigte er nicht seine Dirigentenausbildung und führte bei verschiedenen Gelegenheiten den Taktstock. Auf vielen Programmen erschien unter den Orchesterstücken Schuberts Unvollendete, der lebenslänglich seine große Vorliebe gehörte. Manchmal verband er auch die Rolle des Sängers mit der des Dirigenten und entwickelte schon frühzeitig eine Technik, für die viele Jahre später die „Richard-Tauber-Programme“ so berühmt wurden. Im Laufe der Zeit fügte er diesen Programmen noch eigene Kompositionen hinzu.

4. Kapitel Tauber wird bekannt

Das Küken war herangewachsen. Zum Glück für Ihn und für seine Stimme war er noch fest an die Schürzenbänder der Dresdener Oper gebunden, obgleich er verlockende Angebote aus allen Teilen Deutschlands und Österreichs erhielt. In späteren Jahren war er aufrichtig dankbar für die strenge Erziehung, die er in Dresden erhalten hatte. Sooft er über die Stränge schlagen wollte, verwies ihn sein alter Freund und Mentor Graf Seebach zurück auf kleine Nebenrollen, und schnell nahm Richard wieder Vernunft an.

Manchmal erbitterte ihn diese Behandlung, aber sie war nicht ohne Entschädigung und launige Vorfälle. Kleine Rollen bedeuteten verhältnismäßig wenig Arbeit am Theater und boten oft Gelegenheit, zeitig zu einem Rendezvous mit einer Freundin zu entkommen.

Bei einer Aufführung von Richard Strauß‘ Salome gab der junge Tauber den Narraboth, den Offizier der Palastwache, der sich sterblich in die Heldin der Oper verliebt. Da seine Liebe nicht erwidert wird, tötet er sich in einer der ersten Szenen des Stückes. Die Bühnenanweisungen verlangen, dass die „Leiche“ von vier Männern hinausgetragen wird, die dann wieder auf die Bühne kommen und ihre früheren Plätze einnehmen sollen.

Richard begrüßte eine Vorstellung der Salome immer ganz besonders, weil er nach seinem „Selbstmord“ sogleich fortstürzen konnte, um sich umzuziehen und dann den ganzen Abend für eine „Schöne“ frei hatte, während die übrigen Rollen noch zwei ermüdende Stunden dieser einaktigen Oper durchhalten mussten. In seiner Freude über eine so leichte Aufgabe konnte er es sich nicht versagen, seinen Kollegen gegenüber, die ihn augenscheinlich um seine Freiheit beneideten, einige sarkastische Bemerkungen fallen zu lassen. Als es nun durchsickerte, auf welche Weise er seine Salome-Abende verbrachte, schworen sie Rache und heckten einen Plan aus, der ihnen das „letzte Lachen“ sichern sollte.
Einige Wochen später stand Salome wieder auf dem Programm. Narraboth hatte Selbstmord begangen und wartete ungeduldig darauf, von der Bühne getragen zu werden, um den „Engel“, der damals sein Herz gefangen hielt, zu treffen. Die vier Träger hoben ihn auf, aber anstatt ihn in die Kulissen zu tragen, ließen sie den entsetzten „Leichnam“ einfach im Hintergrund der Bühne fallen, wo er im vollen Blickfeld des Publikums fast zwei Stunden liegen bleiben musste. Die . Leiche“ machte den Trägern verzweifelte Zeichen, aber weder geflüsterte Flüche noch Bitten um Mitleid machten den geringsten Eindruck auf die Verschwörer: der junge Tauber sollte eine Lehre erhalten, und so wartete das Mädchen seiner Träume vergeblich auf ihren verhinderten Casanova!

Ein Konzertprogramm, das die Luftangriffe überlebte, wirft ein interessantes Licht auf seine Auswahl im Jahre 1922:

  • 1.Schumann — Sechs Lieder aus Dichterliebe
    Im wunderschönen Monat Mai
    Aus meinen Tränen sprießen . . .
    Die Rose, die Lilie, die Taube, die Sonne
    Wenn ich in deine Augen seh
    Ich will meine Seele tauchen
    Ich grolle nicht
    2.Richard Strauss
    Ich trage meine Minne
    Ruhe, meine Seele
    3.Grieg
    Letzter Frühling
    Ein Traum
    4.Arie aus „Manon“ von Massenet
    5.Arie aus „Das Mädchen aus dem goldenen Westen“ von Puccini
    6.Das Gebet des „Rienzi“ von Wagner

Bis jetzt hatten sich die Reisen auf Deutschland, Österreich und einige andere Staaten , des alten Habsburgerreiches beschränkt. Prag, Olmütz und Budapest waren das Ziel verschiedener Besuche gewesen, und wie überall,“ war er auch dort begeistert aufgenommen worden. Im Februar 1923 begab er sich zum ersten Mal auf eine ausgedehntere Reise nach der Schweiz; vorher war er nur einmal zu den Festvorstellungen in Basel gewesen. In Bern, wo er sein erstes Konzert gab, griff ein Kritiker die Theaterdirektion heftig wegen ihrer großen Nachlässigkeit an, unterlassen zu haben, Tauber für eine Opernaufführung zu verpflichten. Ein anderer erklärte, dieser Abend gehöre zu den- schönsten .seines Lebens. Dieses Schweizer Gastspiel wurde der Vorläufer vieler regelmäßiger Besuche.
Wien bereitete ihm ein großartiges Willkommen, als er endlich Dresden Lebewohl sagte, und an die Staatsoper der österreichischen Hauptstadt übersiedelte. Die Premiere von: Schreckers ,,Der Schatzgräber“ bot eine gute Gelegenheit, seine Eignung für neue Rollen einzuschätzen. Wilhelm Kienzl selbst hatte die höchste Achtung vor Richards Verdiensten um seine Opern; viele Briefe, die er an ihn schrieb, sprechen davon, dass er den Erfolg seines „Evangelimann“ und des „Kuhreigen“ Taubers Darstellung der Hauptrollen zuschrieb.
Den größten Teil der Opernspielzeit von 1922 bis 1925 verbrachte Richard in Wien und Berlin, wohin er durch einen Vertrag für sieben Monate verpflichtet war. Seine Gastspiele führten ihn auch in die zweitgrößte Stadt Deutschlands, nach Hamburg. Sein erstes Auftreten übertraf alle Erwartungen, und Vergleiche mit dem ersten Tenor der Berliner Oper, Hermann Jadlowker, fielen nicht zu Taubers Nachteil aus. Eine amüsante Geschichte zeigt, dass Richard bereits zu einem ernsthaften Rivalen des großen Sängers geworden war.
Richard war gebeten worden, bei einem Konzert in einer kleineren Stadt zu singen, aber wegen eines Anfalls von Kehlkopfentzündung hatte er sein Auftreten absagen müssen. Das Konzertkomitee befand sich in einer wenig, beneidenswerten Lage. Man ließ den Sekretär kommen und sagte ihm, er dürfe sich nicht eher wieder sehen lassen, als bis er einen passenden Ersatz gefunden hätte. Der vielgeplagte Mann verbrachte mehrere Stunden am Telefon, um jedes Theater, das möglicherweise helfen könnte, anzurufen. Endlich schien er etwas erreicht zu haben, denn er stürzte mit einem siegessicheren Lächeln auf den Lippen in das Zimmer des Komitees.

Fortsetzung folgt.