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Auf der Suche nach Richard Tauber

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Auf der Suche nach Richard Tauber

Der letzte große Star der Operette wurde von Kritikern, Biographen und seinen Freunden in aller Welt längst mythiisiert; sein Leben, wie es wirklich war, trat hinter der Legende zurück. Um ihm nachzuspüren, haben sich Wolfgang Korruhn und Emanuel Schillig für das Zweite Deutsche Fernsehen aufgemacht, den wahren Richard Tauber zu finden. Die Lexika und Musikgeschichten nennen als Geburtsjahr 1892. Auch das stimmt nicht, Tauber wurde vor 80 Jahren, am 16. Mai 1891, in Linz geboren. Man erzählt von einem Aufstieg aus einem Elendsquartier, einer zufälligen Entdeckung und einem jämmerlichen Ende in der Londoner Emigration. In Wahrheit wurde Taubers Karriere sorgsam vorbereitet, sein Vater war ein bekannter Schauspieler, der das Talent des Buben erkannte und nutzte. Wenn von seinem Vermögen — zwischen 1923 und 1933 verdiente er allein i>n Deutschland zwölf Millionen Goldmark — auch bei seinem Tod nicht viel blieb, so starb er doch keineswegs arm wie eine Kirchenmaus. Das Fernsehteam, das sich auf die Suche nach Richard Tauber machte, untersuchte auch Legenden, die heute noch um den „Göttlichen“ verbreitet werden. So besuchte es u. a. die Witwe des Sängers, Diana Napier, die der Öffentlichkeit bekanntgab, sie sei daran, ein Tauber-Gedächtnistheater bei London zu errichten, eine Art Bayreuth der Operette.
Richard Tauber ist in der Erinnerung der elegante Frauenheld, das blitzende Monokel im rechten Auge, der schwarze Zylinder leicht geneigt, den langen weißen Schal lässig um den Hals geschlungen. So prägte er das Bild des extravaganten Tenorstars. Doch die Erinnerung trügt. Tauber war auch ein seriöser Musiker, er dirigierte und komponierte selbst mit großem Erfolg, besonders während der letzten Lebensjahre in der Londoner Emigration. Zu Beginn seiner Karriere stand er in Mozartopern auf der Bühne, später sang er unter der Leitung von Toscaniini ebenso wie unter Richard Strauss. Sein Name gehört ganz zweifellos in die Operngeschichte.
Doch kann er dem Können einer neuen Sängergeneration standhalten? Zur Beantwortung dieser Frage stellen die Autoren dieser Sendung (am 15. Mai von 16.15 bis 17.05 Uhr) eine zeitgenössische Schallplattenaufnahme mit der Stimme Fritz Wunderlichs einer historischen Tauber-Aufnahme gegenüber. Beide wurden durch Filter und einkopierte Nadelgeräusche akustisch einander angeglichen, so daß ein Vergleich möglich wird.
Taubers Operettenerfolge sind bis in unsere Tage Erfolge geblieben, wenn auch nur in Konservenform auf der Schallplatte, seine „Highlights“ aus „Land des Lächelns“ oder „Friederike“ verkaufen sich immer noch recht gut, denn in ihnen wird wieder etwas lebendig, was besonders die ältere Generation an die „goldenen“ zwanziger Jahre erinnert. Den Kennern bleibt jedoch Tauber als Opernsänger unvergessen. Vornehmlich für sie ist der Film gedacht.