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Leben wie ein Roman

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Hamburger Abendblatt 1978

Leben wie ein Roman

Richard Tauber wäre 80

Richard Tauber, virtuos und populär wie kein anderer deutscher Tenor, wäre am 16. Mai 80 Jabre alt geworden. Sein an Erfolgen überreiches Leben mutet an wie ein Roman. Schon zu Beginn seiner märchenhaften Karriere rissen sich die drei großen Opernbühnen Dresden, München und Wien um ihn. Unfaßlich, daß der umjubelte Star in Deutschland plötzlich „unerwünscht“ war… Er ging nach Wien, und stets sang er vor ausverkauften Häusern. Wie überhaupt der Glanz des Namens Tauber, die garantierten Serienerfolge, viele Theater sozusagen sanierten. Der Hamburger Schauspieler Willy Witte der auf vielen Tourneen mit von der Partie war, berichtet von der beispiellosen Energie Taubers während wochenlanger En-suite-Vorstellungen, bei denen der Sänger seine Gesundheit ruinierte.

Eine neue Tauber-Ära begann an dem Tage, als der Tenor — nach Erfolgen in den Lehär-Ope-retten „Paganini“ und „Zarewitsch“ — bei Hotters in Berlin als Sou-Chong in Lehárs „Land des Lächelns“ auf der Bühne stand. „Dein ist mein ganzes Herz“ — von diesem Augenblick an rollten Millionen in die Kassen aller Bühnen, an denen Tauber gastierte.

Die Krönung seiner Popularität aber erlebte der Künstler auf einer von Wien aus arrangierten Tournee nach Kairo und Alexandrien. Paul Schwarz erzählt von seinem prominenten Kollegen:
„Tauber sang auf diesem Ägypten-Gastspiel den Tamino, den Pedro, die Tenorpartie in „Giuditta“ und natürlich seine Glanzrolle, den Sou-Chong. Schon bei der ersten Aufführung in Kairo hatte er „Dein ist mein ganzes Herz“ dreimal wiederholen müssen. Als der Beifall noch immer nicht enden wollte, betrat ein Sprecher von Radio Kairo die Bühne. „Verehrtes Auditorium, wir schätzen uns überglücklich, daß uns Österreich den ,König der Tenöre‘ geschickt hat, um uns die Musik vom .Kaiser der Operette‘, Franz Lehär, so bewundernswürdig vorzutragen!“

Als ihm nach 1938 auch Österreich verschlossen war, versuchte er, in London Fuß zu fassen. Doch er war schon krank, sein Elan begann ziu schwinden. Ein Jahr vor seinem Tode hatte er in Covent Garden den letzten großen Erfolg als Don Ottavio in Mozarts „Don Giovanni“* Er war ein Phänomen in der Operette wie in der Oper. Wer den Klanig seiner samtenen Tenorstimme einmal gehört hat, wird ihn nie vergessen!

paul schwarz